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Diphtherie
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Die Diphtherie, auch Bräune oder Halsbräune (im Altertum und auch später noch Halsenge, HundswĂźrger und andere Bezeichnungencite-ref-1[1]), zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch âWĂźrgeengel der Kinderâcite-ref-korynebakterien-2-0[2] genannt, ist eine vor allem im Kindesalter auftretende, akute Infektionskrankheit, die durch eine Infektion der oberen Atemwege mit dem grampositiven Corynebacterium diphtheriae, dem âDiphtheriebazillusâ, hervorgerufen wird (Rachendiphtherie). GefĂźrchtet ist das von diesem Erreger abgesonderte Diphtherietoxin, ein Exotoxin, das zu lebensbedrohlichen Komplikationen und Spätfolgen fĂźhren kann. Hiervor schĂźtzt der Diphtherieimpfstoff. Diphtherie ist in Deutschland, Ăsterreich und der Schweiz eine meldepflichtige bzw. anzeigepflichtige Krankheit.
Contents
⢠Etymologie
⢠Erreger
⢠Symptome
⢠Untersuchung
⢠Impfung
⢠Behandlung
⢠Komplikationen
⢠Immunisierung
⢠Meldepflicht
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Etymologie
Die Bezeichnung Diphtherie (englisch diphtheria, franzĂśsisch diphthĂŠrie) fĂźhrte Pierre Fidèle Bretonneau ab 1826 als diphtherite (âDiphtheritisâ) in den medizinischen Sprachgebrauch ein.cite-ref-3[3] Es ist eine Wortbildung mit griechischem Ursprung (franzĂśsischer Gräzismus), abgeleitet von altgriechisch δΚĎθÎĎÎą diphthĂŠra (âzubereitete Hautâ,cite-ref-4[4] Leder, Lederrollenpaarcite-ref-5[5]) und der Endung -itis fĂźr EntzĂźndung. Das Wort bezieht sich auf die Halsbräune, dunkle Pseudomembranen (lederartige braune Beläge im Kehlkopf und in der LuftrĂśhre) aus abgestorbener Schleimhaut und Blutbestandteilen.
Im FranzĂśsischen hat sich daraus das Wort diphthĂŠrie entwickelt, von dem die deutsche Form abgeleitet ist. Die Krankheit wurde auch als Rachenbräune und (wie erstmals als breune 1525 bei Paracelsus)cite-ref-6[6] Bräunecite-ref-7[7] und später als (Echter) Krupp(husten) oder croup (von schottisch croup âHeiserkeitâ) bezeichnet.cite-ref-8[8] Der Diphtherie ähnliche Erkrankungen werden als diphtheroid bezeichnet.
Erreger
Die Diphtherie wird durch das toxinbildende (giftstoffbildende) Bakterium Corynebacterium diphtheriae ausgelĂśst und ist von Mensch zu Mensch durch TrĂśpfchen- oder Schmierinfektionen Ăźbertragbar, beispielsweise durch engen Kontakt beim Niesen, Husten oder KĂźssen, selten auch Ăźber Gegenstände (vgl. Sterilisation). Der Mensch stellt zwar das Hauptreservoir dar, ist aber nicht die einzige Ăbertragungsquelle.cite-ref-hofmann-9-0[9] Auch klinisch gesunde Bakterienträger kĂśnnen die Krankheit Ăźbertragen, da der Impfstoff zwar gegen die Symptomatik des Diphtherietoxins wirkt, aber sich nicht gegen das Bakterium richtet.cite-ref-hofmann-9-1[9] Das mit C. diphtheriae eng verwandte, zoonotische Bakterium C. ulcerans und sehr selten C. pseudotuberculosis kĂśnnen ebenfalls die systemischen Symptome der Krankheit hervorrufen und werden im Gegensatz zu C. diphtheriae von Tieren Ăźbertragen.cite-ref-10[10]cite-ref-11[11]cite-ref-jahrbuch2018-12-0[12] In tropischen Regionen kann Diphtherie auch Ăźber Kratzwunden nach Insektenstichen oder Krätze ausbrechen.cite-ref-korynebakterien-2-1[2]
Es sind zwei Formen beschrieben: Die Rachendiphtherie als schwere Rachenentzßndung sowie die Hautdiphtherie als teils ausgestanzt und schmierig belegte Hautläsionen.cite-ref-jahrbuch2018-12-1[12] Fßr die letztere mßssen die Erreger in Wunden bzw. Hautläsionen gelangen, insbesondere ßber eine Schmierinfektion.
Ein Giftstoff des Erregers, das nach dem Bakterium benannte Diphtherietoxin, hemmt die Proteinbiosynthese durch Inaktivierung des Elongationsfaktors EF-2. Die Erreger bilden das phagenkodierte Diphtherietoxin allerdings nur, falls sie mit einem Bakteriophagen (wie dem âCorynebacterium-Phage betaâ) infiziert sind.cite-ref-sib3967-13-0[13]cite-ref-sib3965-14-0[14] Mit dem Blut werden sie auch zu entfernt von der EntzĂźndungsstelle liegenden Organen transportiert, wie beispielsweise Herz, Leber und Niere. Dies kann zu den (lebens-)gefährlichen Komplikationen der Diphtherie fĂźhren.
Häufigkeit und Verbreitung
Die Häufigkeit der Erkrankung ist durch die vom Mediziner und Nobelpreisträger Emil von Behring eingefĂźhrte passive Impfung mit Serum, das er ab 1893cite-ref-15[15] als wirksames Heilserum zur Diphtherieserumbehandlungcite-ref-16[16] zur VerfĂźgung stellen konnte, und die von Gaston Ramon eingefĂźhrte aktive Impfung mit Diphtherietoxoid sehr stark zurĂźckgegangen. Während des Zweiten Weltkrieges grassierte die in Europa letzte groĂe Epidemie mit ca. 3 Millionen Erkrankungen.cite-ref-korynebakterien-2-2[2] Bevor in Europa in den 1960er Jahren die Morbidität stark zurĂźckging, wurden im Herbst und Winter die häufigsten Erkrankungen registriert.cite-ref-korynebakterien-2-3[2] Die Krankheit ist jedoch nicht, wie beispielsweise die Pocken, ausgerottet. Sobald die Durchimpfungsrate unter einen bestimmten Wert sinkt, nehmen die Erkrankungszahlen wieder erheblich zu. Das war in Russland zu beobachten, wo 1994 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 48.000 Fälle auftraten. Dort waren die Durchimpfungsraten auf 73â77 % gesunken, geplante ImpfmaĂnahmen fielen wegen des Ausfalls staatlicher und gesundheitspolitischer Autoritäten aus.cite-ref-hofmann-9-2[9]
2018 wurden in Deutschland 27 Fälle dem PEI ßbermittelt, 26 Fälle als Hautdiphtherie, ein Fall als Rachendiphtherie.cite-ref-jahrbuch2018-12-2[12] 2021 meldete das Robert Koch Institut 22 Fälle, 2022 wurden 138 Erkrankungen verzeichnet.cite-ref-17[17] Während in westlichen Ländern wie Europa oder den USA nur noch Einzelfälle auftreten, tritt Diphtherie in Entwicklungsländern häufiger auf, endemisch im Üstlichen Mittelmeerraum, in weiten Teilen Asiens, Sßdamerikas sowie Afrikas.cite-ref-korynebakterien-2-4[2]
Symptome
Die Schwere und Ausgestaltung der Symptome, die zwei bis sechs Tage (selten auch acht Tage) nach der Infektion auftreten (Inkubationszeit),cite-ref-hofmann-9-3[9] hängen von der Immunlage des Erkrankten ab. Sie ist differenzialdiagnostisch vom Pseudokrupp und von der Epiglottitis abzugrenzen. Bakterienträger selbst kÜnnen wochenlang ansteckend sein, ohne dass sie Symptome zeigen. Primärer Ansiedlungsort sind die Mandeln (Tonsillen).cite-ref-korynebakterien-2-5[2]
⢠Bei lokalisierten Diphtherien (Mandel- und Rachendiphtherie) treten zu Beginn Angeschlagenheit, Ăbelkeit und Schluckschmerzen auf, häufig verbunden mit Bauch- und Gliederschmerzen; Erbrechen ist eher selten. Zunehmendes Fieber. An den Mandeln entwickelt sich ein gelblich-weiĂer Belag. Dieser kann sich schnell im ganzen Rachenraum ausbreiten. Ein faulig-sĂźĂlicher Geruch ist meist auch vorhanden.
⢠Als Ersterkrankung tritt die Kehlkopfdiphtherie meist im Gefolge der Rachendiphtherie auf. Symptomatisch sind bellender Husten, zunehmende Heiserkeit und Stimmlosigkeit (Aphonie), zusammengefasst als Echter Krupp, frßher auch Angina diphtheriticacite-ref-23[23] genannt. Das Einatmen ist erschwert und mit Pfeifgeräuschen (Stridor) verbunden.
⢠Seltenere Diphtherieformen sind die Hautdiphtherie mit Geschwßren und Verletzungen sowie die Bindehautdiphtherie mit blutig-wässriger Absonderung und Membranbildung und häufiger Hornhautbeteiligung.
⢠Im fortgeschrittenen Stadium der Diphtherie weitet sich die Membranbildung rasch und intensiv auf Mandeln, Gaumen, Gaumenzäpfchen und Nasenschleimhaut aus; lokale Lymphknotenschwellungen treten auf.
Ein Lokalinfekt (Nasen-Rachen-Raum, Haut) kann gegen Ende in eine Allgemeinreaktion (toxische Allgemeinkrankheit) Ăźbergehen, wodurch andere Organe betroffen werden (siehe Komplikationen).
Untersuchung
Die Diagnose durch einen bakteriologischen Test ist frĂźhestens in zwĂślf Stunden zu erhalten. Deshalb muss im Verdachtsfall, besonders bei toxischer Diphtherie, sofort anhand des klinischen Bildes therapiert werden.
Die Diagnose kann klinisch gestellt werden. Charakteristisch sind der sĂźĂlich-fade Mundgeruch sowie pseudomembranĂśse fest anhaftende graugelbe Beläge auf geschwollenen, gerĂśteten Mandeln.
Impfung
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Hauptartikel
:
Diphtherieimpfstoff
Die Diphtherieimpfung verhindert einige Jahre lang schwerwiegende Erkrankungen der Geimpften nach einer Infektion, nicht aber die Einnistung (Kolonisation) der Erreger in der Schleimhaut von Rachen und Nase und auf der Haut, so dass auch unter Geimpften Diphtheriesymptome auftreten kÜnnen, die aber bei weitem nicht so gefährlich sind wie beim klassischen Erscheinungsbild der Erkrankung von Personen ohne Toxin-AntikÜrper. Diese mehr oder weniger asymptomatischen Keimträger kÜnnen die Erreger an andere Personen oder an Gegenstände weitergeben, die Impfung unterbricht also nicht mit Sicherheit die Infektionskette. Solche Keimträger sollten zur Beseitigung der Erreger antibiotisch behandelt werden.cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]cite-ref-26[26]
Behandlung
Bei Verdacht auf Diphtherie sollte sofort die Behandlung in einer Klinik erfolgen, die Art der Behandlung hat sich seit den Zeiten von Emil von Behring kaum verändert.cite-ref-hofmann-9-4[9] Dort erfolgt zur umgehenden Neutralisierung des noch nicht zellgebundenen Toxins von C. diphtheriae die sofortigecite-ref-27[27] Gabe von:
⢠Antitoxin (Immunserum vom Pferd) â passive Immunisierung: Zur Behandlung werden AntikĂśrperseren (Antitoxin) verabreicht (10.000â100.000 I.E. i. m. oder i.v.).cite-ref-28[28] Das AntikĂśrperserum bindet die Bakterientoxine und macht sie dadurch unschädlich. Das Antitoxin ist in Deutschland Ăźber Medikamentendepots der Bundesländer (Notfalldepots der Landesapothekerkammern) fĂźr toxikologische Notfälle erhältlich.
⢠bei schwerer, mehr als drei Tage Symptome zeigender Infektion zusätzlich hochdosierte Antibiotika: Penicillin wird fßr mindestens 10 Tage eingesetzt, um die Bakterien abzutÜten. Bei bekannter Allergie gegen Penicillin kann auf Erythromycin, Tetracycline, Rifampicin oder Clindamycin ausgewichen werden.
Bei Verschluss der Atemwege muss eine endotracheale Intubation oder ein LuftrĂśhrenschnitt (mit nachfolgender endotrachealer Intubation) bzw. eine Koniotomie mit (endolaryngealercite-ref-29[29]) Intubation erfolgen â sie wurde von Pierre Fidèle Bretonneau notfallmäĂig eingefĂźhrt.cite-ref-hofmann-9-5[9] Bettruhe fĂźr fĂźnf bis sechs Wochen ist notwendig, um die Gefahr einer Herzschädigung zu minimieren. Bei guter und richtiger Behandlung bleiben kaum Schäden und die Letalität ist gering.
Zur Prophylaxe werden bei Personen, die mit der Atemluft des Erkrankten in Kontakt gekommen sind, falls erforderlich Auffrischimpfung, eine tägliche Kontrolluntersuchung ßber eine Woche, Gabe von Penicillin V und Isolation vorgeschlagen.cite-ref-30[30]
Komplikationen
Als toxische Komplikationen infolge einer toxischen Allgemeinkrankheit (zu Beginn oder am Ende einer Lokalinfektion) treten v. a. Herzschäden (Myokarditis, Endokarditis), Nierenschäden und eine Polyneuritis (Nervenentzßndung) auf: So mussten während der Diphtherie-Epidemie 1995 in Kirgisistan 656 Patienten stationär behandelt werden. Bei 22 % wurde eine Herzmuskelentzßndung und bei 5 % eine Polyneuritis diagnostiziert.
⢠Die HerzmuskelentzĂźndung ist mit der MĂśglichkeit von ReizleitungsstĂśrungen, HerzvergrĂśĂerung und Kreislaufversagen verbunden; ein plĂśtzlicher Herztod tritt als âFrĂźhtodâ in der ersten Krankheitswoche oder als âSpättodâ in der Rekonvaleszenz auf.
⢠Die Polyneuritis äuĂert sich als Lähmung verschiedener Hirnnerven bzw. Hirnnervenäste wie des Nervus facialis oder Nervus recurrens und kann zu einer Lähmung des Gaumensegels, der Augenmuskeln oder zu einer Schluckbehinderung oder auch Schlucklähmung fĂźhren, sodass aufgenommene Nahrung Ăźber die Nase hochgewĂźrgt werden kann. Die periphere Polyneuritis kann sich in der Regel ein bis drei Monate nach Beginn der Erkrankung entwickeln.
⢠Eine Pneumonie tritt bei der Hälfte der Todesfälle auf.
⢠Seltenere Komplikationen sind eine Nephritis mit Einschränkung der Nierenfunktion oder Nierenversagen, Bakteriämie, Endokarditis, Lungenembolien oder Enzephalitis.
Hintergrund fßr diese schweren Komplikationen ist die Ausbreitung der Erreger in andere Organe. So werden Nervenzellen, Leberzellen oder Muskelzellen beschädigt oder getÜtet. Gerade durch die toxinbedingte Herzmuskelschädigung starb in den 1980er Jahren jeder vierte Diphtheriepatient. Ebenfalls gilt bei Kleinkindern oder Säuglingen eine eitrig-blutige Nasendiphtherie als wichtige Komplikation.cite-ref-hofmann-9-6[9]
Geschichte der Diphtherie
Diphtherie ist seit dem Altertum bekannt, bereits Hippokrates hatte die Krankheit beschrieben.cite-ref-korynebakterien-2-6[2]cite-ref-hofmann-9-7[9] Guillaume de Baillou beschrieb 1640 eine 1576 in Paris aufgetretene Diphtherie-Epidemie.cite-ref-31[31] Der Schotte Francis Home bezeichnete die Diphtherie im 18. Jahrhundert als âCroupâ. Als spezifische Allgemeinerkrankung wurde die Diphtherie von dem Franzosen Armand Trousseau (1801â1867) erkannt,cite-ref-32[32] demgemäĂcite-ref-33[33] die bei Diphtherie auftretenden Lähmungen und deren Zusammenhang mit der Erkrankung zuerst von Martino Ghisi (1747), Jean Baptiste Louis Chomel (1748) oder Samuel Bard (1771) beschrieben wurde.cite-ref-34[34] Ihren Namen erhielt die Diphtherie als diphtheritis von Pierre Bretonneau, von dem eine klassische Beschreibung dieser auch âBretonneau-Krankheitâ genannten Erkrankung aus dem Jahr 1826 stammt.cite-ref-35[35]
Entdeckung des Erregers
⢠1826 â Pierre Fidèle Bretonneau fĂźhrt die Bezeichnung Diphtheritis in den medizinischen Sprachgebrauch ein
⢠1858 â Untersuchungen zur AuslĂśsung der Diphtherie durch Mikroorganismen
⢠1883 â Edwin Klebs (ZĂźrich) entdeckt im Mikroskop das Bakterium in diphtherischen Membranen (bzw. Belägen)cite-ref-36[36]cite-ref-korynebakterien-2-7[2]
⢠1884 â Friedrich Loeffler (Berlin) identifiziert am Kaiserlichen Gesundheitsamt das Corynebacterium diphtheriae als Erreger der Diphtherie, ihm gelingt die Reinkultur im âLĂśffler-Serumâcite-ref-korynebakterien-2-8[2]
⢠1896 â Gruppe: Corynebakterien (von griechisch κοĎĎνΡ coryne, deutsch âKeuleâ)
Immunisierung
⢠1888 â Ămile Roux und Alexandre Yersin: Toxinnachweis in keimfreien Kulturfiltratencite-ref-korynebakterien-2-10[2]
⢠1889 â Emil Adolf von Behring: Antitoxin. Serum Träger der Immunität
⢠1890 â von Behring und Shibasaburo Kitasato: Entdeckung des Antitoxins (AntikĂśrper) im Blut kranker Tiere, Antitoxin ist prinzipiell Ăźbertragbar
⢠1894 â William Hallock Park und Anna Wessels Williams entwickeln am New York City Department of Health ein Antitoxin; von Behring fĂźhrt das âDiphtherie-Heilserumâ eincite-ref-korynebakterien-2-11[2]
⢠1898 â von Behring und Erich Wernicke: Immunität durch Injektion von neutralisiertem Diphtherietoxin (Diphtherieimpfstoff)
⢠1900 â Paul Ehrlich: Hitzeinaktivierung des Toxinscite-ref-korynebakterien-2-12[2]
⢠1901 â Kontaminationen des Jim-Antiserums fĂźhren zur PrĂźfung von Impfstoffen auf Pathogene
⢠1901 â Nobelpreis fĂźr Physiologie oder Medizin fĂźr von Behring
⢠1913 â von Behring: Toxin-Antitoxinmischung fĂźr Immunisierung
⢠1913 â BĂŠla Schick entdeckt die Toxin-Hautreaktioncite-ref-38[38]
⢠1924 â Gaston Ramon behandelt das Toxin mit Wärme/Formalin fĂźr Impfung; Diphtherietoxoid (damals noch âAnatoxinâ genannt)cite-ref-korynebakterien-2-13[2]
⢠1960 â In der DDR wird die Toxoid-Impfung gegen Diphtherie Teil der Pflichtimpfungen
⢠1961 â In der BRD wird die Toxoid-Impfung gegen Diphtherie Teil der amtlich empfohlenen Impfungen
Meldepflicht
In Deutschland sind bezĂźglich der Diphtherie der Verdacht einer Erkrankung, die Erkrankung und der Tod daran namentlich meldepflichtig nach § 6 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG). Ebenso ist der direkte oder indirekte Nachweis von Toxin-bildendem Corynebacterium spp. namentlich meldepflichtig nach § 7 IfSG, soweit der Nachweis auf eine akute Infektion hinweist. Meldepflichtig sind die feststellenden Ărzte bzw. Labore usw. (§ 8 IfSG).
In Ăsterreich ist Diphtherie eine anzeigepflichtige Krankheit gemäà § 1 Absatz 1 Nummer 2 Epidemiegesetz 1950. Die Anzeigepflicht bezieht sich auf Erkrankungs- und Todesfälle. Zur Anzeige verpflichtet sind unter anderen Ărzte und Labore (§ 3 Epidemiegesetz 1950).
In der Schweiz ist bei klinischem Verdacht der Krankheit Diphtherie die Veranlassung einer erregerspezifischen Labordiagnostik fĂźr Ărzte, Spitäler usw. vorgeschrieben sowie ein positiver laboranalytischer Befund (oder ein negativer Befund bei Test auf Toxin-Gen) zum Erreger Corynebacterium diphtheriae (und anderer toxinbildender Corynebakterien) fĂźr Laboratorien meldepflichtig, und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Anhang 1 bzw. Anhang 3 der Verordnung des EDI Ăźber die Meldung von Beobachtungen Ăźbertragbarer Krankheiten des Menschen.
Literatur
⢠Barbara I. Tshisuaka: Diphtherie. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 315.
⢠R. R. MacGregor: Corynebacterium diphtheriae. In: Mandell, Douglas and Bennettâs Principles and Practice of Infectious Diseases. 6. Auflage. 2005.
⢠Karl Wurm, A. M. Walter: Infektionskrankheiten. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin / GĂśttingen / Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 9â223, hier: S. 87â95.
⢠Paul de Kruif: Roux und Behring. Gegen die Diphtherie! In: Paul de Kruif: Mikrobenjäger. (Originalausgabe: Microbe Hunters. Harcourt, Brace & Co., New York 1926) Orell FĂźssli Verlag, ZĂźrich/Leipzig 1927; 8. Auflage ebenda 1940, S. 175â197.
⢠Verordnung, betreffend den Verkehr mit Diphtherieserum. Vom 31. Dezember 1894. In: Reichsgesetzblatt, 1895, Nr. 1, S. 1 (Wikisource)
Weblinks
Wiktionary: Diphtherie
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Commons
: Diphtheria
â Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Diphtherie â Informationen des Robert Koch-Instituts
⢠Diphtherie. impfen-info.de; umfassende Informationen der Bundeszentrale fßr gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Thema Impfungen.
⢠Diphtheria risks becoming major global threat again as it evolves antimicrobial resistance. EurekAlert!, 8. März 2021. Quelle: University of Cambridge
Einzelnachweise
cite-note-11. â Georg Sticker: Hippokrates: Der Volkskrankheiten erstes und drittes Buch (um das Jahr 434â430 v. Chr.). Aus dem Griechischen Ăźbersetzt, eingeleitet und erläutert von Georg Sticker. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1923 (= Klassiker der Medizin. Band 29); unveränderter Nachdruck: Zentralantiquariat der Deutschen Demokratischen Republik, Leipzig 1968, S. 103.
cite-note-korynebakterien-22. â Marlies HĂśck, Helmut Hahn: Korynebakterien. In: Sebastian Suerbaum, Gerd-Dieter Burchard, Stefan H. E. Kaufmann, Thomas F. Schulz (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer-Verlag, 2016, ISBN 978-3-662-48678-8, S. 310, doi:10.1007/978-3-662-48678-8_37.
cite-note-33. â Pierre Fidèle Bretonneau: Des inflammations spĂŠciales du tissu muqueux, et en particulier de la diphthĂŠrite. Ou inflammation pelliculaire, comme sous le nom de croup, dâangine maligne, dâangine gangrĂŠneuse, etc. Paris 1826.
cite-note-44. â Johann Baptist Hofmann: Etymologisches WĂśrterbuch des Griechischen. R. Oldenbourg, MĂźnchen 1950, S. 56 und 61 (fraglich zu δÎĎĎ âbegieĂe, erweicheâ).
cite-note-55. â Vgl. etwa Pooja Arya, Manphool S. Maharia, Ramesh K. Kadela, Deepchand: A clinical study of complications of diphtheria. In: International Journal of Otorhinolaryngology and Head and Neck Surgery. 5, Nr. 4, 2019, S. 1052-1055, hier: S. 1 (âpair of leather scrollsâ).
cite-note-66. â Friedrich Kluge, Alfred GĂśtze: Etymologisches WĂśrterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck (â21. unveränderte Auflageâ) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 97.
cite-note-77. â siehe auch Liste historischer Krankheitsbezeichnungen
cite-note-88. â Albrecht N. Rauch: Krankheitsnamen im Deutschen. Eine dialektologische und etymologische Untersuchung der Bezeichnungen fĂźr Diphtherie, Febris scarlatina, Morbilli, Parotitis epidemica und Varicellae. Stuttgart 1995 (= Zeitschrift fĂźr Dialektologie und Linguistik, Beiheft 84).
cite-note-hofmann-99. â Friedrich Hofmann: Diphtherie. In: Heinz Spiess, Ulrich Heininger, Wolfgang Jilg (Hrsg.): Impfkompendium. 8. Auflage. Georg Thieme Verlag, 2015, ISBN 978-3-13-498908-3, S. 148 ff.
cite-note-1010. â Nutzendokumentation von Standardimpfstoffen: Diphtherie. arznei-telegramm, 15. September 2017, S. 77-80, abgerufen am 4. November 2019.
cite-note-1111. â Hautdiphtherie: Zunahme von Infektionen mit Corynebacterium ulcerans. In: Deutsches Ărzteblatt. 15. März 2018, abgerufen am 4. November 2019.
cite-note-jahrbuch2018-1212. â Infektionsepidemiologisches Jahrbuch fĂźr 2018. (PDF) Robert Koch-Institut, 16. Januar 2020, S. 75 ff., abgerufen am 9. Februar 2020.
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cite-note-sib3965-1414. â Modulation of host virulence by virus. SIB. Expasy: ViralZone
cite-note-1515. â Gundolf Keil: Robert Koch (1843â1910). Ein Essai. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift fĂźr Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 73â109, hier: S. 83â84.
cite-note-1616. â Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Ăbersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/GĂśttingen/Heidelberg 1960, S. 50.
cite-note-1717. â Epidemiologisches Bulletin des RKI, 5. Januar 2023
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cite-note-2222. â Infektionskrankheit â Zwei Diphtherie-Fälle im Bundesasylzentrum Altstätten (SG). In: srf.ch. 24. August 2022, abgerufen am 24. September 2022.
cite-note-2323. â Vgl. Ludwig Sattler: Beiträge zur Statistik der Angina diphtheritica. Medizinische Dissertation WĂźrzburg 1878.
cite-note-2525. â Schutzimpfung gegen Diphtherie: Häufig gestellte Fragen und Antworten. Robert Koch-Institut, Stand: 11. Januar 2018; abgerufen am 19. September 2019
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cite-note-2727. â Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., Ăźberarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 198.
cite-note-2828. â Marlies HĂśck,d Helmut Hahn: Korynebakterien. In: Sebastian Suerbaum, Gerd-Dieter Burchard, Stefan H. E. Kaufmann, Thomas F. Schulz (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer-Verlag, 2016, ISBN 978-3-662-48678-8, S. 313.
cite-note-2929. â Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Ăbersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/GĂśttingen/Heidelberg 1960, S. 50.
cite-note-3030. â Marianne Abele-Horn (2009), S. 198.
cite-note-3131. â G. de Baillou: Epidemiorum et ephemeridum libri duo. Paris 1640.
cite-note-3232. â Karl Wurm, A. M. Walter: Infektionskrankheiten. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/GĂśttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 9â223, hier: S. 87.
cite-note-3333. â Die Diphtherie (PDF; 6,8 MB)
cite-note-3434. â Georg Sticker: Hippokrates: Der Volkskrankheiten erstes und drittes Buch (um das Jahr 434â430 v. Chr.). Aus dem Griechischen Ăźbersetzt, eingeleitet und erläutert. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1923 (= Klassiker der Medizin. Band 29); unveränderter Nachdruck: Zentralantiquariat der Deutschen Demokratischen Republik, Leipzig 1968, S. 103.
cite-note-3535. â Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff: Kurze Ăbersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/GĂśttingen/Heidelberg 1960, S. 32.
cite-note-3636. â Edwin Klebs, Vorstand 1872â1873. (Memento des Originals vom 10. Februar 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂźft. Bitte prĂźfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pathologie.uni-wuerzburg.de Pathologisches Institut der Universität WĂźrzburg
cite-note-3737. â V. J. Freeman: Studies on the virulence of bacteriophage-infected strains of Corynebacterium diphtheriae. In: Journal of Bacteriology. Band 61, Nr. 6, Juni 1951, S. 675â688, PMID 14850426.
cite-note-3838. â Karl Wurm, A. M. Walter: Infektionskrankheiten. 1961, S. 87.